12. Oktober 2011

Alles auf Anfang.

Es gibt diese Momente im Leben, da kommt einem alles unwirklich vor. Man fühlt sich, als ob man im verschlossenen Keller sitzt und voller Hoffnung auf den Schlüssel wartet, während tausende von Stimmen über einem versuchen, sich einen Weg in dessen Gehör zu bannen.
Vor zwei Wochen sind wir umgezogen. Ich wusste zwar schon lange, mindestens seit der Scheidung, dass Mom mit uns ausziehen würde, aber als sie mich am Freitag als ich gerade in der Straßenbahn saß, anrief, war ich doch überrascht. Ich dachte, ich hätte wenigstens noch einen Tag Zeit. Für andere klingt das vielleicht kindisch, aber ich wollte in diesem einen Tag noch einen guten Gesamteindruck mitnehmen, mich von allem verabschieden. So aber kam das viel zu plötzlich, einfach so. Den ganzen Nachmittag haben wir zusammengepackt und als Mom schließlich nachhause kam, haben wir die Sachen in den Garten getragen und auf den Umzugswagen gewartet.
Ich weiß noch, und daran werde ich noch lange zurückdenken, wie plötzlich all unsere Dinge in diesem großen Monster waren. Mit der Ausrede, ich müsste nochmal aufs Klo, ging ich ins Haus und sah mir alles an. Mom hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, sauberzumachen und augenblicklich hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen. Mom meinte im Nachhinein, dass Dad an dem Abend bereits Bescheid wusste; würde er nachhause kommen, wäre seine Familie weg. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, das in diesem Moment in mir rumtrampelte. Es war einfach nur scheußlich.
Als schließlich der Umzugswagen und Moms Auto um die Ecke bogen, blickte ich mit meinem Rattenkäfig auf dem Schoß bloß auf die Straße vor uns. Ich glaube, wären zu diesem Augenblick nicht so viele Menschen um mich herum gewesen, hätte ich wahrscheinlich geheult.
Dad war vermutlich in irgendeiner Kneipe oder bei einem Freund und hat sich volllaufen lassen; Tatsache ist, ich habe ihn seit Donnerstag vor dem Umzug nicht mehr gesehen. Das ist fast drei Wochen her.
Diesen Samstag, als ich bei Max geschlafen hab, kam dann eine SMS von ihm. Ich hab sie um 11°° bekommen, allerdings erst um 21°° geantwortet. Ich schob es vor mich her. Nicht gerade die feine englische Art.
Als ich Dad dann zurückgeschrieben hab, hat er mir irgendwann geantwortet, dass er uns alle vermisst. Ich glaube, hätte ich meine Nagelschere am Freitag Max nicht gegeben, damit er sie bei sich versteckt (so ein kleiner Tausch: Ich hab sein Stanly-Messer, er meine Schere. Keiner von uns kann sich so mehr ritzen), hätte ich sie mir ohne zu zögern in den Oberschenkel gerammt.

Ich vermisse Dad ganz fürchterlich.

1 Kommentar:

  1. meine kleine chri.
    umzüge sind immer schwer und du hast schon recht, es ist nicht die feine englische art. aber es ist auch nicht die feine englische art, wieder zur nagelschere zu greifen. (gott sei dank hat sie maxi)
    ich glaube, so mies es auch klingen mag und du es whs eh schon weißt, aber das wieder mal du die jenige sein wirst, die den kontakt zu ihrem dad alleine aufrecht erhalten muss. oder unterstützt es deine mum?
    chri; du hättest an dem tag ruhig anrufen dürfen, ich hät dir zu gehört. immerhin bist du mir wichtig und ich weiß, dass du es weißt und es whs nicht mehr hören kannst, aber ich hab dich lieb und ein paar kilometer von dir entfernt sitzt ein mädchen in ihrem zimmer, dass deine anrufe nie abwimmeln wird.
    ob du das jz als komisch empfindest oder nicht, du bist meine beste freundin und ich werde dir immer beistehen, ganz egal was passiert. immerhin haben wir doch schon schlimmeres hinter uns, oder nicht? damn oder ruben, zum beispiel.
    wieso rufst du deinen dad nicht einfach an? er wird sich freuen, du wirst dich freuen. oder?

    habdichlieb<3

    AntwortenLöschen